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in memoriam
in memoriam

Mit nur 50 Lebensjahren konnte Karlheinz Lattemann               auf 32 Jahresjagdscheine und 29 Jahre intensive Schweißhundführung zurückblicken.

Die Schweißhundstation des Karlheinz Lattemann begann klein und bescheiden und hatte sich im Laufe der Jahre zur Institution entwickelt.                                                                                  Für ihn harte Jahre des Aufbaus und der Entbehrung.

Einerseits                                                                                  

- Sensibilisierung der Einstellung zur Erfordernis des

Nachsuchens in Teilen der Jägerschaft;

- Erwerb und Ausbildung geeigneter Hunde für die Fährtenarbeit

und Hatz;

- Vertrauensbildung und härteste Arbeit mit den Hunden;             

- Rücksichtslosigkeit gegenüber der eigenen Person im Einsatz   

- und völliger Verzicht auf planbares Privatleben.

Andererseits galt es wirtschaftlich eine Situation zu schaffen, die ihm per Saldo die berufsmäßige Führung seiner Schweißhunde ermöglichte.

Berufsmäßig,                                                                               im Sinne der häufig – und jederzeitigen Verfügbarkeit -: „Nachsuchen müssen gemacht werden, wenn sie anstehen, ohne Rücksicht auf Wochen- und Feiertage, Büro- oder Geschäftsschluss.“

Selbst in den drei Monaten der relativen Jagdruhe (Februar, März, April) kam es zu Nachsuchen;                     natürlicherweise ohne Voranmeldung, also auch hier Bereitschaft.                                                                        Darüber hinaus wurden gerade diese Monate den Nachwuchshunden gewidmet.

Berufsmäßig auch im Sinne des Begriffs „Berufung“,         deshalb seinerseits kein Jammern und Klagen.

 

Sein erster, auf der Krankfährte zum Einsatz gelangter Hund  war ein Kurzhaardackel, - er bekam ihn mit vierzehn – und er war sechzehn, als dieser Hund nach damaliger Sicht der Dinge brauchbare Nachsuchen machte.

Bis zu seinem 21. Lebensjahr schaute er neben Ausbildung   und Beruf einem erfahrenen Schweißhundführer über die Schulter, um danach eigenständig zu arbeiten.

 

Seitdem hatte er über 3.500 Nachsuchen durchgeführt.             Er hielt durchschnittlich 4 – 5 Hunde:                           Haupthund, Nachwuchshunde und Hetzhunde.

 

Es bestand Mitgliedschaft in den verschiedensten Schweißhundvereinen.

Karlheinz Lattemann war jedoch nie ein „Vereinsmensch“.

Er hatte selbst Fehden in Kauf genommen, wenn es der Sache diente.                                                                                    Seine Kritik am Landesjagdverband Ende der achtziger Jahre, dilettantische Fährtenhundführung hinzunehmen und zu begünstigen, brachte ihm nicht nur Freunde ein. Allerdings verbesserten sich die Verhältnisse umgehend deutlich.

Dabei hatte er sich selbst betreffend größte Maßstäbe  angelegt, aber nie einen Unfehlbarkeitsanspruch erhoben. Er hatte immer daran erinnert, dass da, wo Lebewesen zusammenwirken, auch Fehler und Fehleinschätzungen   möglich und natürlich sind.

 

Die Märkische Kreisjägerschaft verlieh ihm die bronzene, silberne und goldene Rüdemann-Plakette.

Auf dreimal Gold für Schweißhundführung des Jagdgebrauchshund-Verbandes hatte er verzichtet, da er   hierfür die Daten der Reviere, Pächter und Schützen hätte preisgeben müssen.                                                                 Das war mit ihm nicht zu machen.                                           Nach seiner Meinung gehörten die Daten von Hilfesuchenden nicht in die Hände von Klubs und Vereinen.

„Eine ernsthaft betriebene, den heutigen Ansprüchen und Erfordernissen entsprechende Schweißhundstation ist         

eine Institution

eine Einrichtung, rund um die Uhr errreichbar,

eine Anlaufstelle,

ein Garant für dauerhafte Schweißhundführung auf hohem Niveau,

nicht ein Körbchen mit Hund.“                                                    So sah er es und so hielt er es.

Hierin lag einer der gravierendsten Unterschiede zu anderen Schweißhundführern.

 

Karlheinz Lattemann war kein Förster, der während seines Dienstes oder gelegentlich vor oder nach seinem Dienst eine Nachsuche machte.

Er war das ganze Jahr ohne jede Einschränkung für die Jägerschaft erreichbar, und an jedem Tag einsatzbereit.    Urlaub machte er nie.

Dies war allgemein bekannt und „bescherte“ ihm ein entsprechendes „Kundenpotential“.

 

Es war seine Liebe zur Schweißhundführung, zur Arbeit mit  dem Hund am Wild, für’s Wild, den Jäger und auch den Autofahrer.

Kurzum, er hatte das eigene Leben der Sache verschrieben.

Ehrenamtlich !

 

Es war sein eigener Ausspruch:

    „Ich mache das freiwillig – selbstverständlich -, aber Politiker gehen auch freiwillig in die Politik, leben vergleichsweise besser, obwohl sie sich häufig weniger schinden, als ein Schweißhundführer und – ein Schweißhundführer scheitert ohne Fachwissen auf Dauer in der Praxis auf jeden Fall.“

Diese oder ähnliche Sätze hörte man aus seinem Mund dann, wenn er sich wieder einmal über eine Verwaltungs- oder Verbandsperson geärgert hatte, die aus seiner Perspektive vom Schreibtisch aus die Schweißhundführung neu erfunden hatte.

 

Schweißhundführung war halt sein Leben.

Karlheinz Lattemann

verstorben am 1. April 2003 im Alter von 50 Jahren